Was ist Tinnitus?

  • Medizinische Bezeichnung für die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen ohne externe Geräuschquellen
  • Ohrgeräusche, die regelmäßig oder über längere Zeit auftreten
  • Man unterscheidet zwischen akutem und chronischen Tinnitus

Wie äußert sich Tinnitus?

Die Betroffenen erleben Tinnitus mit ganz unterschiedlichen Geräuschen:

Rauschen     Summen    Zischen    Brausen   Sausen    Dröhnen    Klingeln    Hämmern    pulsierendes Klopfen…

 

Mögliche Auswirkungen:

  • Hörbeeinträchtigung
  • Schlafstörungen
  • Beeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit
  • Fehlende Entspannungsfähigkeit
  • Angst, Unruhe, Depressionen
  • Gefühle des Ausgeliefertseins und der Kontrolllosigkeit
  • Muskuläre Verspannungen
  • Sozialer Rückzug, Isolation
  • Beeinträchtigung der Kommunikation in der Familie, Beruf und Freizeit

Unterscheidungsmerkmale:

  • Frequenz: (Tonhöhe)
  • Lautstärke: von leise (nur in Ruhe wahrnehmbar) bis unerträglich laut
  • Dauer: kontinuierlich, pulsierend, schwankend
  • objektiv (von außen wahrnehmbar) oder subjektiv (nur der Betroffene hört es)
  • mit Hörverlust – ohne Hörverlust
  • kompensiert – dekompensiert
  • Einige sind auch von Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit) betroffen
  • Als derzeit sinnvollste Behandlungsmethode wird die
    Tinnitus-Retraining-Therapie angesehen (im TTHZ modifiziert nach ADANO)
  • Tinnitus Coaching
  • Mehr Informationen finden Sie bei unseren Seminaren unter „Veranstaltungen“

Solange die Geräusche nach einiger Zeit von alleine verschwinden, muss man nichts unternehmen. Bleiben die Geräusche aber längere Zeit bestehen, besteht Handlungsbedarf! Wichtig ist zunächst die medizinische Abklärung in der Akutphase, also nach dem ersten Auftreten der Ohrgeräusche. Doch was kann man tun, wenn diese Geräusche chronisch geworden sind, wenn sie nerven?

In diesem Fall gibt es zwei Tinnitus-Strategien:

bei gleichzeitiger, auch nur leichter Schwerhörigkeit: Ausgleich durch Hörsysteme

Geräuschtherapie: Sie senkt durch einen Reiz die wahrgenommene Lautstärke oder das Vorherrschen des Tinnitus.

Welche Möglichkeiten gibt es konkret?

In den meisten Fällen geht ein Auftreten des Tinnitus mit einer Schwerhörigkeit einher. Die Frequenz mit dem größten Hörverlust entspricht häufig in etwa der wahrgenommenen Tonhöhe des Tinnitus. Nun gibt es zwei Therapieansätze: Die klassische Variante ist der möglichst vollständige Ausgleich des Hörverlustes. Durch die Anhebung der Hörschwelle wird der Tinnitus beim Tragen der Hörsysteme leiser wahrgenommen oder verschwindet sogar ganz. Dies ist die einfachste Form der Tinnitustherapie, sie funktioniert auch in vielen Fällen, insbesondere wenn der Tinnitus als Geräusch wahrgenommen wird. Bei Tinnitus, der nur als Pfeifton wahrgenommen wird, gibt es einen neuen Ansatz: Es handelt sich um die Notchfilter-Therapie. Dabei wird ein spezieller Filter im Hörsystem aktiviert, der den betroffenen Frequenzbereich ausblendet. Man will diesen Bereich ruhigstellen, um die Hyperaktivität einzudämmen.

In selteneren Fällen liegt keine Schwerhörigkeit vor: Dann kann die Geräuschtherapie mit einem sogenannten „Noiser“ oder „Masker“ funktionieren. Hierbei wird über ein Gerät ein breitbandiges Rauschen abgegeben, das in der Intensität reguliert werden kann. Das Geräusch soll dabei vom Tinnitus ablenken. Diese Therapie ist auch als „Tinnitus-Retraining-Therapie“ bekannt.

Tinnitracks:

Alternativ gibt es für Musikliebhaber die „Tinnitracks“-App: Betroffene brauchen für die Therapie mit Tinnitracks Musikdateien ihrer Lieblingsmusik und ein Smartphone/Tablet. Die Wunschmusik wird von Tinnitracks auf ihr Therapiepotenzial geprüft und die individuelle Tinnitus-Frequenz aus den Musikstücken herausgefiltert. Als Behandlungsdauer werden sechs bis zwölf Monate empfohlen, da ein dosisabhängiger Effekt angenommen wird.

Vor Beginn der Therapie ist es medizinisch notwendig, den subjektiven Tinnitus eindeutig zu diagnostizieren und durch uns die individuelle Tinnitus‐Frequenz präzise messen zu lassen. Abhängig von der persönlichen Situation des Patienten und der Art des Tinnitus kann Tinnitracks als alleinige Trainingsmethode oder in Kombination mit anderen etablierten Behandlungsmethoden zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden. Sie erhalten bei uns auch Sets mit Kopfhörern oder in-ear-Systeme.

Hörsystem/ Kombigerät:

Als weitere Möglichkeit gibt es die Kombination aus den Tinnitus-Strategien 1 und 2. Man verstärkt also den Schall mittels Hörsystem und gibt zusätzlich ein therapeutisches Signal dazu. Dies nennt man Kombigerät.

Ursprünglich gab es als Geräusch nur das Noiser-Rauschen. Im Laufe des Zeit kamen aber viele weitere Therapie-Geräusche hinzu. Die folgende Übersicht soll ihnen darstellen, wie vielfältig die Angebote mittlerweile sind. Die Ausstattung ist meistens modellabhängig, in der Regel sind alle Optionen nur in höherwertigen Hörsystemen verfügbar:

Herstellerübersicht, Stand 03/2017:

audioservice: Weißes Rauschen, Rosa Rauschen, Brown`sches Rauschen, Hochtonrauschen und Sprachsimulierendes Rauschen sowie Ozeanwellen in verschiedenen Varianten

Hansaton: individuell einstellbares Rauschen

Oticon bietet in seinem Modell „Ria Pro Ti“ folgende Möglichkeiten an: Weißes Rauschen, Rosa Rauschen, Rotes Rauschen sowie Ozeanwellen in verschiedenen Varianten. Demnächst wird es auch für alle OPN verfügbar sein.

Phonak: individuell einstellbares Rauschen

ReSound: individuell einstellbare Rauscharten und verschiedene Wellen- bzw. Flussgeräusche

Sivantos (Siemens/Signia Hörgeräte): Notchfilter-Therapie, Weißes Rauschen, Rosa Rauschen, Brown`sches Rauschen, Hochtonrauschen und Sprachsimulierendes Rauschen sowie Ozeanwellen in verschiedenen Varianten

Starkey: individuell einstellbares Rauschen, spezielles Messverfahren „Soundpoint“

Unitron: individuell einstellbares Rauschen

Widex: ZEN-Klänge in verschiedenen Varianten

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, mit Apps die Geräusche zu verändern. Je nach Tinnitus kommen nur bestimmte Möglichkeiten in Betracht. Wir beraten Sie gerne! Am besten rufen Sie uns an: 06821-140440.

Wichtig ist, den Teufelskreis des Tinnitus zu durchbrechen: Tinnitus verursacht Stress und kann langfristig zu sozialem Rückzug und Depression führen, was wiederum den Tinnitus verstärken kann. Dies kann dann wieder zu Schlaflosigkeit und/oder Isolation führen, was häufig wiederum zur verstärkten Wahrnehmung des Tinnitus führt.

Neuer Therapieansatz: Einzigartige Funktionen gegen Tinnitus in Signia Hörgeräten.

Zum ersten Mal findet die Tinnitus-Notch-Therapie Anwendung in Hörsystemen. Es handelt sich dabei um eine geräuschlose Alternative zu herkömmlichen Noiser-Lösungen. Statt des zusätzlichen Noiser-Signals wird die Tinnitus-Frequenz zunächst exakt ermittelt, um sie dann aus der Hörgeräteübertragung herauszufiltern. Die Studie zu dieser neuen Technik wurde bei uns im TTHZ von der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes) durchgeführt. Bei rein tonalem Tinnitus ist häufig eine Linderung des Tinnitus möglich.

Bisher gab es in den Signia-Geräten das bekannte Noiser-Rauschen und die Ocean Waves-Therapiesignale (engl. Ocean Waves = Ozeanwellen). Nun gibt es zusätzlich die Tinnitus-Notch-Therapiefunktion. Diese innovative Funktion ist ausschließlich in Signia Hörgeräten (Tinnitus-Kombi-Instrumente) verfügbar. Die vielversprechende Signia Tinnitus-Notch-Therapie kann die Auswirkung des Tinnitus sogar längerfristig mindern*.

Durch die Filterung der Frequenzbereiche des Tinnitus tritt der Tinnitus etwas in den Hintergrund. Die Hyperaktivität wird reduziert und das Gehirn “verlernt” mit der Zeit, das Tinnitus-Geräusch wahrzunehmen. Eine nachhaltige Linderung des Tinnitus wird dadurch möglich.

* Powers, L., dos Santos, G.M., & Jons, C. (2016, September). Notch Therapy: A new approach to tinnitus treatment. AudiologyOnline, Article 18365.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.tinnitus-liga.de